Der Wind weht häufig auf Madeira. Wellen prallen gegen die felsigen Steilküsten der portugiesischen Atlantikinsel und ihre schroffen Berge kitzeln manchmal die Wolken. Subtropisch ist das Klima: Zwischen 19 Grad im Dezember und Januar und 25 Grad im Juli und August schwankt die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur. Kein Wunder also, dass sich dort seit langem gestresste Menschen aus Nord- und Mitteleuropa erholen.
Sissi, Österreichs legendäre Kaiserin Elisabeth, überwinterte 1860/61 auf Madeira. Der britische Premierminister Winston Churchill weilte sogar mehrmals auf die Blumeninsel; er malte dort. An die Beatles erinnert deren private Jacht „Vagrant“ im Hafen der Inselhauptstadt Funchal, sie dient heute als Restaurant. Spielcasinos und prächtige Hotels geben Funchal noch immer das Flair eines europäischen Seebads des 19. Jahrhunderts.
Madeira ist heute eine Provinz Portugals. Ständig wohnen auf der Insel etwa 265.000 Einwohner. Einer der berühmtesten von ihnen ist der Weltfußballer Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro. Er wurde am 5. Februar 1985 in Funchal geboren und hat dort bis 1997 gelebt, dann zog er um nach Lissabon, die Hauptstadt von Portugal.
Vermutlich Phönizier haben Madeira im 6. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Aber erst der portugiesische König Heinrich der Seefahrer veranlasste, dass die Insel ab 1420 von Portugiesen besiedelt wurde. Die Siedler brannten Bäume und Sträucher ab und ließen die Steilhänge terrassieren – von Sklaven, die sie aus Westafrika und von den Kanarischen Inseln holten. Die Siedler bauten zunächst Bananen und Zuckerrohr an, später auch Wein.
Die Weinlese beginnt auf Madeira bereits Mitte August und dauert rund sechs Wochen. Im 17. Jahrhundert entdeckten englische Seeleute zufällig, dass Madeirischer Rotwein besser schmeckte, wenn die hölzernen Weinfässer von der Sonne beschienen wurden. Das wurde fortan gezielt gemacht – der Madeirawein, ein Süßwein, entwickelte sich zum Exportschlager.
Worauf kommt es bei der Herstellung von Madeirawein besonders an? Nun, die alkoholische Gärung muss zunächst mit hochprozentigem Alkohol gestoppt werden, dadurch bleibt eine Restsüße im Wein erhalten. Anschließend reift der Wein monatelang bei einer Umgebungstemperatur von 45 bis 75 Grad.
In früheren Zeiten erfolgte dieser Reifungsprozess ziemlich umständlich: Der Wein wurde in kleine Holzfässer gefüllt und auf Schiffen in Portugals tropische Überseeprovinzen Angola und Mosambik mitgenommen. Der Transport durch die Hitze unterstützte den Reifungsprozess, die so genannte Madeirisierung.
Die Schiffsreise wurde später (bis heute) ersetzt durch eine drei- bis fünfmonatige Lagerung bei tropischen Temperaturen – wie sie auf Madeira zum Beispiel direkt unter Wellblechdächern entstehen oder mit Hilfe von Heizanlagen. Madeirawein ist sehr lange haltbar; sein Alkoholgehalt liegt zwischen 18 und 21 Volumenprozent.
England, Europa, Amerika: Der schwere süße Wein von der Insel Madeira wurde zum Verkaufsschlager – sogar in den amerikanischen Kolonien, den späteren USA. „Washington, Jefferson und Franklin prosteten sich wahrscheinlich mit bernsteinfarbenem Madeirawein zu, als sie die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten“, vermutet Johnny Bjelkaroy, ein Kenner der Insel.
Erst Karneval, dann das Blumenfestival am letzten Aprilwochenende sowie das „Festival do Atlantico“ im Juni und das Wein-Festival im September: In Madeiras Hauptstadt Funchal wird das ganze Jahr über fröhlich gefeiert. Aber auch in den Dörfern geht es manchmal hoch her – vor allem an den Gedenktagen zu Ehren des Schutzpatrons der jeweiligen Gemeinde. In Seixal zum Beispiel feiern die Einwohner am 17. Januar den Heiligen Antonius (Santo Antao). Allerdings sind Weihnachten und Silvester auch auf Madeira die wichtigsten Feste des Jahres – das neue Jahr wird traditionell mit einem atemberaubenden Feuerwerk begrüßt.
Madeira entstand vor Jahrmillionen, als Vulkane auf dem Grund des Atlantiks ausbrachen – etwa 700 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Dabei quoll Lava aus dem Innern der Erde ins Meer und türmte sich immer weiter auf. Heute liegt der höchste Gipfel Madeiras, der Pico Ruivo, 1862 Meter über dem Meeresspiegel. Die ganze Insel ist gebirgig und zerklüftet.
Auch die Küsten Madeiras sind durchweg steil und felsig: Cabo Girao ist mit 580 Meter die zweithöchste Steilküste Europas. Die Klippen fallen unter der Wasseroberfläche bis zu 4000 Meter zum Meeresgrund ab.
Hohe Berge, tiefe Schluchten und üppiggrüne Täler: So sieht Madeira aus, wenn man es vom Flugzeug aus betrachtet. Die steilen und zerklüfteten Abhänge wurden mit einer Vielzahl von Terrassen kultiviert. Die Terrassen wiederum werden mit Hilfe der berühmten Levadas bewässert; die kleinen Kanäle wurden über Jahrhunderte sorgfältig angelegt, um das Wasser vom regenreichen Norden der Insel zum trockeneren Süden zu leiten. So gelingt es, Zuckerrohr und tropische Früchte, exotische Blumen und Wein im Überfluss anzubauen.
Kommen Sie und entdecken Sie die exotisch-subtropische Insel Madeira“, sagt Johnny Bjelkaroy, ein norwegischer Zahnarzt, der seit Jahrzehnten auf Madeira lebt. Mit ihrem Überfluss an bunten Blumen und mit all ihrer Blütenpracht werde Madeira auch als „Schwimmender Garten im Atlantik“ bezeichnet. „Wegen milder Winter und nicht allzu heißer Sommer ist die Insel perfekt für Ihre Wander-Abenteuer“, sagt Johnny.
Seit Jahrhunderten ist Madeira nun schon ein Zufluchtsort für alle, die der Hektik der modernen Zeit entfliehen wollen. Nur wenige Ziele bieten laut Johnny eine solche Vielfalt an Landschaftsbildern – atemberaubende Steilküsten, felsige Gipfel, alpine Hochebenen, fruchtbare Täler und terrassierte Berge. Madeira habe sich seine natürliche Schönheit und seinen Charme bewahrt.