



Casa das Videiras ist perfekt für einen Urlaub weitab von allem, weitab von Hotels und Touristen“, sagt Johnny. Der Zahnarzt hat das mehr als 200 Jahre alte Anwesen, das aus Vulkangestein gemauert worden ist, vor 17 Jahren gekauft und von Grund auf restauriert. Das Erdgeschoss der gemütlichen Frühstückspension beherbergt nun Lounge, Fernsehraum und Esszimmer, daneben gibt es eine Küche, die Hausgäste selbstverständlich nutzen dürfen.
Im Obergeschoss, in der früheren Küche, hat Johnny außer den Gästezimmern eine Rezeption eingerichtet – mit einem Schreibtisch aus dunklem Holz. Die drei Gästezimmer unterscheiden sich: Zimmer 1 hat Fensterläden. „Wenn sie geschlossen sind, kann man in vollkommener Dunkelheit bis mittags schlafen“, sagt Johnny. Zimmer 2 eröffnet die beste Aussicht, und Zimmer 3 bietet überhaupt keine Aussicht, weshalb es billiger ist.
Angenehm sind laut Johnny die Nachbarn, die Dorfbewohner von Seixal: freundlich, hilfsbereit und interessiert – genau die Art von Menschen, die in der modernen Welt immer seltener werden. „Einerseits verkörpern die Dorfbewohner den nostalgischen Charme vergangener Epochen, andererseits vermitteln sie das beruhigende Gefühl, jemanden um Hilfe rufen zu können, wenn man wirklich mal Hilfe braucht“, meint er.
Bodenständig, ehrlich, hilfsbereit: So ist Natalia, die Haushälterin der Casa das Videiras. Schon seit 14 Jahren verrichtet die 39-Jährige diesen Job. Im Dorf Seixal, wo sie wohnt und arbeitet, wurde sie auch geboren. Nie hat sie woanders gelebt. In der Freizeit arbeitet Natalia am liebsten im Garten, sie pflanzt und erntet Gemüse und Kartoffeln. Natalia ist unverheiratet. Sie meint, Männer seien faul und neigten dazu, zu viel zu trinken.
Natalia ist ein aufrichtiger Mensch“, sagt Johnny. „Bitte zögern Sie nicht, sie um Hilfe zu fragen.“ Er empfiehlt seinen Gästen, sich von Natalia nachmittags selbstgebackenen Kuchen und einen Kaffee oder Tee bringen zu lassen. „Und sagen Sie ihr genau, wie sie Ihre Frühstückseier wünschen – gekocht oder als Rühr- oder Spiegeleier.“ Sollte Natalia mal nicht weiterhelfen können, sollten sich die Gäste der Casa das Videiras bitte direkt an ihn wenden.
Weiße Häuser mit roten Dächern, umgeben von tiefgrünen Gärten – so sieht Seixal von weitem aus. Das Dorf kuschelt sich an einen Hang, er selbst neigt sich zum Meer. Seixal liegt halbwegs zwischen Sao Vicente und Porto Moniz. Ab Funchal fährt man mit dem Auto 40 Minuten bis nach Seixal (viele der 1200 Einwohner des Dorfes pendeln die Strecke täglich zur Arbeit).
Die Geschichte von Seixal begann Mitte des 16. Jahrhunderts. Damals kamen die ersten Siedler. Sie lebten von dem, was die reichen Böden im Tal Chao da Ribeiera und im Dorf selbst hergaben. Selbst heute haben die meisten Dorfbewohner noch Gärten, in denen sie Gemüse und Kartoffeln anbauen und Früchte wie Mangos und Feigen ernten. Am wichtigsten sind indes die Trauben für den gehaltvollen Madeira-Wein.
Die Frühstückspension Casa das Videiras steht im östlichen Teil des Dorfes. Dort finden Besucher auch einen neuen Naturpool (gleich neben dem „Clube Naval“). In der Nähe des Pools gibt es eine Bar und tagsüber auch Essensangebote, an Wochenenden manchmal sogar auch nachts. Neben dem Pool öffnet sich der Hafen mit seinem Sandstrand. Der Sand ist dunkel. „Zögern Sie nicht, dort ins Wasser zu gehen und zu schwimmen“, empfiehlt Johnny, der Vermieter der Casa das Videiras.
Schwimmen, surfen, tauchen – all dies können Gäste in Seixal tun. Die erste Gelegenheit zum Sporttauchen, aber auch zum Fischen, bietet sich an den kleinen Kliffs und Inseln vor dem neuen Naturpool am Hafen.
Weitere Pools finden Besucher am westlichen Rand des Dorfes. Zu Fuß dorthin zu gehen dauert zehn Minuten. Johnny präzisiert: „Gehen Sie Richtung Porto Moniz. Sobald Sie an der Dorfkirche vorbei sind, sehen Sie einen Wegweiser.“ Dieser weise die Straße hinunter zu den „Picinas“. Ein bisschen weiter ist es laut Johnny zum schönen Sandstrand „Praia de Laje“.
Surfer sollten den Weg nach Sao Vicente nehmen. Etwa fünf Minuten geht man, dann sieht man schon eine phantastische Brandung. „Wenn Sie ein Stück weitergehen in Richtung Ponta Delgada, gelangen Sie zu einem weiteren Surfrevier“, sagt Johnny. Dort steht auch das Restaurant „Many’s“.
Ab Casa das Videiras ist es ein kurzer Spaziergang hinauf ins Tal Chao da Ribeira. Der Anfang des Tals wird landwirtschaftlich genutzt, aber weiter oben gelangen Spaziergänger in den urwüchsigen Lorbeerwald, den „Laurisilva“.
Diesen Lorbeerwald hat die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, zum Weltnaturerbe erklärt. Der Wald stammt aus der Epoche vor der letzten Eiszeit, und tatsächlich wachsen dort noch einzelne Pflanzen und Bäumen aus jener Zeit.
Mehrere Wanderrouten – wie die zum Hochmoor Paul da Serra – führen durch den Lorbeerwald. „Das ist die beste Gegend für Ihren Wanderurlaub auf Madeira“, sagt Johnny. Wer sich hingegen ausruhen wolle, sollten das Teehaus und das „Alte Arboretum“ von Senior Romao aufsuchen.
Auf der Strecke nach Porto Moniz ist es ratsam, die äußere Straße zu nehmen und nach dem Weg nach Ribeira Funda Ausschau zu halten. Das Bergdorf Ribeira Funda besteht aus nur wenigen Häusern; erst im vorigen Jahr haben sie eine Zufahrtsstraße bekommen.
In all den Jahren zuvor gelangten die Bewohner von Ribeira Funda nur zu Fuß in ihr Bergdorf: über eine steile und gefährliche Treppe mit mehr als 1000 Stufen. „Wer die Treppe benutzen möchte, sollte unbedingt vorher die Sicherheitstipps lesen. Vorsicht, wenn die Stufen feucht und rutschig sind!“, mahnt Johnny.
Obwohl Seixal ein kleiner Ort ist, halten sich dort etliche gute Restaurants und auch mehrere Bars. So erreichen Fußgänger, wenn sie von der Frühstückspension Casa das Videiras aus Richtung Hafen gehen, nach zwei Minuten das Restaurant „Briza Mar“. Dort gibt’s sehr guten Fisch. „Er wird mit einem speziellen Reis serviert, dem Arroz de lapas“, sagt Johnny.
Wer auf derselben Straße in entgegen gesetzter Richtung geht, stößt vor und hinter der Kirche auf mehrere Restaurants. Die kulinarische Spezialität in Seixal sind laut Johnny gefüllte Bachforellen. Aber auch die madeirischen Fleischspieße namens Espetada sollten Besucher probieren.
„Tascas“ heißen die kleinen Bars auf Madeira. In Seixal findet man sie, wenn man die Straße von der Casa das Videiras aus hinaufgeht. Geht man hingegen die Straße zum Hafen hinab, kommt man zum „Clube Naval“, wo manchmal wirklich Hochbetrieb herrscht.
Lohnend ist es, wie Johnny sagt, im Pub „CalHaus“ direkt unterhalb des Restaurants „Briza Mar“ einzukehren. Drinnen tanzen die Gäste zu Disco-Musik. Andere gehen mit einem Getränk nach draußen, setzen sich auf die Bänke oberhalb des Meeres und lauschen der Brandung. Am eindrucksvollsten sei das, wenn die Disco-Musik endliche verstumme und am Himmel die Sterne leuchteten.