Vielerorts hängen blühende subtropische Pflanzen über den Wanderwegen, und fast alle Pfade eröffnen grandiose Ausblicke auf grüne Täler und das blaue Meer. Mal schlängeln sich die Wege durch alte kleine Dörfer, mal führen sie an Bäumen mit farbenprächtigen Blüten vorbei. „Wandern auf Madeira ist ein Erlebnis, das man sein Leben lang nicht vergisst“, sagt Johnny Bjelkaroy, der vor 26 Jahren aus Norwegen auf die Insel kam und für immer geblieben ist. Er empfiehlt Wanderern, genug Essensvorräte in den Rucksack zu packen: „Unterwegs werden Sie etliche Grillplätze finden.“
Auf Madeira gibt es drei Arten von Wegen, die Wander- und Trekkingfreunde nutzen können:
Begehbare Bewässerungskanäle
Die kleinen, in Stein gefassten Kanäle auf Madeira heißen Levadas. Mit ihnen wird das Wasser aus den niederschlagsreichen Gebirgsregionen im Norden und Zentrum der Insel zu den Terrassenfeldern im eher trockenen Süden geleitet. Damit das Wasser immer gleichmäßig fließen kann, müssen Arbeiter die Levadas ständig warten. Deshalb sind die Levadas begehbar, entweder auf der Levada-Mauer oder auf einem Weg neben dem Kanal.
Mal schlängeln sich Levada-Wege zwischen grasigen Erdhügeln und moosigen Schluchten hindurch, mal führen sie über Teppiche von wildem Hafer und Gerste, oder sie durchqueren Urwälder aus Lorbeersträuchern und Heidekraut. Andere Levadas geleiten Wanderer über Mohn- und Distelfelder, zu Obstgärten, Bananenhainen und in Zuckerrohr-Plantagen.
Abwechslungsreiche Wanderrouten
Manchmal geht es haarscharf an Felsspalten und Abbruchkanten vorbei, die senkrecht 400 Meter in die Tiefe stürzen. Oder es gilt, durch dunkle Tunnel und unter Wasserfällen hindurch zu gehen und über teuflisch schlüpfrigen Lehm zu staksen. „Die Levadas ermöglichen es abenteuerlustigen Wanderern, fast jeden Winkel der magischen Insel Madeira zu Fuß zu erreichen“, sagt der Inselkenner Johnny Bjelkaroy.
Warum es überhaupt diese Bewässerungskanäle auf Madeira gibt? Weil das Wasser auf der Insel ungleich verteilt ist – wegen einer Gebirgskette, die sich von Ost nach West erstreckt. Daher regnet es in den Gebirgsregionen im Norden und im Zentrum der Insel das ganze Jahr über, und das teils heftig, während es im Süden von April bis Oktober trocken sein kann. Insgesamt besitzt Madeira reichlich Wasser – die verschiedenen geologischen Schichtungen von Lava, Schlacke, Tuff und Aschen speichern es.
Technik aus Nordafrika
Da liegt es also nahe, das Wasser dorthin fließen zu lassen, wo es gebraucht wird. Das Mittel dazu sind die Levadas. Die portugiesischen Siedler auf Madeira begannen bereits im 15. Jahrhundert, dieses ausgeklügelte Netzwerk von Bewässerungskanälen anzulegen. Anfangs verrichteten Mauren aus Nordafrika, die große Erfahrung im Bau von Bewässerungsanlagen hatten, und Sklaven aus Westafrika diese Arbeiten in Schwindel erregender Höhe.
Streckennetz umfasst 5000 Kilometer
Als modernste Levada Madeiras gilt die erst 1966 in Betrieb genommene Levada dos Tornos. Sie ist 106 Kilometer lang und bewässert 9900 Hektar Land. Auf 16 Kilometer führt sie durch Tunnels, von denen der längste 5,1 Kilometer misst. Die Gesamtlänge der großen Levadas auf Madeira beträgt 800 Kilometer. Wenn man die kleinen Verzweigungen mitzählt, die jedes Feld erreichen, hat das Bewässerungssystem eine Länge von 5000 Kilometer.
Tipps – was Wanderer beachten und mitnehmen sollten
Auf Madeira kann sich das Wetter sehr schnell ändern. Zwar herrschen dort ganzjährig ideale Temperaturen für Wanderer – von 16 Grad Celsius im Winter bis 24 Grad im Sommer. Aber es gibt je nach Höhenlage erhebliche Temperaturunterschiede, und auf Sonnenschein kann ganz plötzlich Regen oder Nebel folgen. Deshalb sollten Wanderer folgende Regeln unbedingt beachten:
























